Reisebericht einer Fahrradtour über die Alpen

 

Streckenverlauf:

  1. Etappe: Saarbrücken – Mittelhausen (Elsass)
  2. Etappe: Mittelhausen – Burkheim (Kaiserstuhl)
  3. Etappe: Burkheim – Liestal (bei Basel)
  4. Etappe: Liestal – Sursee (bei Luzern)
  5. Etappe: Sursee – Luzern
  6. Etappe: Luzern/Flüelen – Andermatt
  7. Etappe: Andermatt – Bellinzona
  8. Etappe: Bellinzona – Locarno
  9. Tag: Ruhetag Locarno
  10. Etappe: Locarno – Lugano
  11. Tag: Ruhetag Lugano
  12. Tag: Zugrückfahrt Lugano - Saarbrücken

 

Prolog

Mit dieser Radtour über die Alpen habe ich mir einen Traum erfüllt und ich möchte ausdrücklich meinen Begleitern Andreas (bis Mittelhausen) und Bernhard (Kehl bis Locarno) für ihre Mitfahrt danken. Der Reise gingen einige Stunden Planung und viele Stunden Training voraus, aber es hat sich gelohnt.

 

Die einzelnen Etappen:

1. Etappe 11.8.2002 Saarbrücken – Mittelhausen

8:30 SB Bruchwiesenstraße: Ein bewölkter kühler Augustmorgen. Andreas, mein Begleiter für den ersten Abschnitt ist pünktlich bei mir eingetroffen und gemeinsam bepacken wir meinen zweirädrigen Gefährten. Dann fahren wir los, die ersten Kilometer bis hinter Saargemünd am "Leinpfad" genannten Radweg an der Saar entlang. Anschließend übernimmt Andreas die Führung, quer durch Lothringen und das Elsass geht es ziemlich hügelig bis zum Rhein-Marne-Kanal.

Mein Begleiter Andreas am Leinpfad bei Saargemünd "Piratenschiff" am Schiffshebewerk in Saverne

Zwischendrin immer wieder bange Blicke ob des Wetters, aber bis auf einen kleinen Schauer der glücklicherweise gerade stattfindet, als wir eine Kaffeepause einlegen, bleibt es trocken. Bei Lützelbourg erreichen wir dann den Kanal, an dessen Ufer ein prima ausgebauter Radweg verläuft. Als wir nach ca. 92 km Saverne erreichen, scheint plötzlich die Sonne und wir entschließen uns zu einer Rast in einem Freiluftcafe, das direkt am dortigen Schiffshebewerk liegt.

Weitere 40 km später, kurz vor unserem Zielort Mittelhausen, verlassen wir in Waltenheim/Zorn den Kanal und lassen es uns im "Restaurant A L’ancre" schmecken.

Danach nehmen wir die letzten fünf Kilometer in Angriff, doch nach zwei Kilometern fallen mir meine fehlenden Handschuhe auf. Da an den Dingern viele persönliche Erinnerungen hängen, will ich sie unbedingt wiederhaben und radle deshalb die Strecke zurück zum Lokal, dort sind sie allerdings nicht mehr aufzufinden. Traurig fahre ich wieder die andere Richtung und sehe nach einigen Metern auf der Straße einen der Handschuhe liegen, den anderen allerdings nicht. Aber dann: Überraschung, ein Auto überholt mich, hält vor mir an und eine Frau hält mir den fehlenden Handschuh entgegen. Ich bedanke mich überschwenglich und nehme das Geschehnis als gutes Omen.

 

 

Hotel "L'Etoile" in Mittelhausen

 

Kurz vor Dunkelheit erreichen wir in Mittelhausen unser Quartier, einen Landgasthof namens "L’Etoile" und nach einer Dusche, einem kurzen Spaziergang durch den Ort und einem Gute-Nacht-Bierchen im einzigen noch geöffneten Lokal fallen wir ziemlich erschöpft in die Betten.

Route: Saarbrücken – Saargemünd – Sarreinsming – Zetting – Wittring – Weidesheim – D. 38 Herbitzheim - Keskastel – D. 92 Sarre-Union – D. 96 Bischroff-sur-Sarre - D. 8 Wolfskirchen – D. 90 Baerendorf – D. 690 Kirrberg – D. 94/790 Hilbesheim – D. 46b Lixheim – D. 38 Herange – Mittelbronn – R. de la Bruche – Dannelbourg - Lutzelbourg – Saverne – Waltenheim/Zorn – Mittelhausen

Ca. 130 km, 720 Höhenmeter, niedrigster/höchster Punkt 151/341 m, max. Steigung 12 %


2. Etappe 12.8.2002 Mittelhausen – Burkheim (Kaiserstuhl)

Nach Frühstück und Packen trennen sich in Wingersheim Andreas‘ und meine Wege, er fährt wieder zurück nach Saarbrücken während ich mich erneut entlang des Rhein-Marne-Kanals Richtung Straßburg aufmache. Es setzt Nieselregen ein, der langsam stärker wird, so dass ich leider unter einer Brücke Regenklamotten anziehen muss. Bis Straßburg bleibt es regnerisch, dann lockern die Wolken langsam auf.

Um 11 Uhr bin ich am Bahnhof in Kehl mit Bernhard verabredet, der es wagen will mit mir zusammen die Alpen zu "bezwingen". Kurz vor 11 komme ich dort an, packe mich aus den Regenklamotten und sogar der Zug mit Bernhard drin kommt pünktlich an. Bernhard mit üblicher Minimalausrüstung, 7-Gang-Fahrrad, ein Rucksack, eine Plastiktüte und eine Flasche Wasser im Fahrradkorb ... Nach kurzer Begrüßung lenken wir die Räder Richtung Rhein, am Himmel ziehen sich bedrohliche schwarze Wolken zusammen.

 

Radweg in den Rheinauen bei Kehl

 

In Meißenheim entgehen wir einem Gewitter indem wir in einer Gaststätte zu Mittag essen, anschließend ist Regenbekleidung nur noch einmal kurz vonnöten bevor sich endgültig die Sonne durchsetzt. Wir beschließen im Kaiserstuhl eine Übernachtungsgelegenheit zu suchen und verlassen deshalb bei Burkheim den Rhein.

Kurz vor dem Ort entdeckt Bernhard noch eine kulturelle Überraschung. Auf einer Wiese zeigt ein Künstler seine fantasievollen und witzigen selbstentworfenen Skulpturen, die an Figuren aus Comics erinnern. Der im positiven Sinne verrückte Künstler wohnt im Zelt bei seinen Kunstwerken und wir bitten ihn zum Erinnerungsphoto, dieser Bitte kommt er sehr freundlich nach.

Bernhard mit unbekanntem Künstler

Kunst

Dann fahren wir weiter, um zum alten Ortskern zu gelangen, müssen wir noch einen mit Kopfstein gepflasterten Anstieg überwinden. Im "Gasthof zum Adler" nehmen wir uns ein Zimmer und essen dort auch gleich zu Abend, natürlich mit Wein aus dem Kaiserstuhl.

 

"Gasthaus zum Adler" in Burkheim

 

Route: Mittelhausen – Straßburg – Kehl – Meißenheim – Rust – Wyhl – Burkheim

Ca. 107 km, 94 Höhenmeter


3. Etappe 13.8.2002 Burkheim – Liestal

Bei Breisach queren wir den Rhein um auf der französischen Rheinseite Richtung Basel zu fahren, was sich aber als Fehler erweist. Die auf der Karte als verkehrsarm ausgewiesene Straße entlang des "Grand Canal d’Alsace" erweist sich als das Gegenteil. Im Stile eines Zweierzeitfahrens versuchen wir möglichst schnell Chalampe zu erreichen, um dort wieder auf die deutsche Rheinseite zu wechseln. Nach dieser Kraftanstrengung haben wir in Neuenburg am Rhein ein Pause dringend nötig. Während Bernhard auf einer Bank Mittagsschlaf hält, entspanne ich mich in einem Straßencafe bei Cappuccino und Zeitung. Die anschließende Fahrt durch die Rheinauen bis Basel verkürzen wir bei Gesprächen über Politik und die bevorstehende Bundestagswahl. In Weil am Rhein wechseln wir Euros in Franken, in Basel queren wir den Rhein, verfahren uns in einem Teil des Stadtwalds und sind froh bei Pratteln die Wegweiser des Velolands Schweiz vorzufinden. Wir folgen der Route 3, der sogenannten "Nord-Süd-Route" bis Liestal, dort gönnen wir uns in der Altstadt einen Kaffee, bevor wir auf Quartiersuche gehen. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns im "Radackerhof" zu nächtigen.

 

"Radackerhof": Schlafstatt in Liestal

 

Da Bernhard wegen eines in Weil am Rhein verzehrten Riesenkebabs keinen Hunger mehr verspürt, speise ich alleine in der unserem Quartier angeschlossen Gaststätte. Hinterher verfolgen wir im Fernsehen die Bilder der Flutkatastrophe in Osteuropa, während wir inzwischen bestes Radfahrwetter genießen können.

Palmreisetagebuch: "Der "letzte" flache Tag liegt hinter uns, aber dafür wird das Wetter immer besser. Morgen steht die erste wirkliche Bewährungsprobe bevor, es geht auf über 800 m hoch."

Route: Burkheim – Breisach am Rhein – Vogelgrun (Frankreich) – Chalampe – Neuenburg am Rhein (Deutschland) – Weil am Rhein – Basel – Liestal

Ca. 97 km, ca. 100 Höhenmeter


4. Etappe 14.8.2002 Liestal – Sursee

Entlang der schweizerisch gründlich und vorbildlich ausgeschilderten Radroute 3 radeln wir durch Basel-Land Richtung Jura, um die ersten Berge zu erklettern. Die Landschaft ist wunderschön, die Straßen sind wirklich verkehrsarm und bei Anwil auf einer Höhe von 588 m haben wir den ersten Anstieg geschafft. Oberhalb des Ortes Rohr erreichen wir dann ca. 6 km später auf einer Höhe von 827 m den höchsten Punkt des Tages.

 

Myself am Scheitelpunkt des ersten "Passes"

 

Nach einer rasanten Abfahrt essen wir im "Restaurant Jura Stüsslingen" vorzüglich zu Mittag. Auf der weiteren Strecke besichtigen wir noch Aarau, berühmt wegen der schönen Giebel, anschließend folgen wir dem Bach Suhre bis Sursee. Der Weg entlang des Baches ist zwar wirklich romantisch-schön, andererseits zieht er sich ohne Ende bis wir schließlich unser Ziel erreichen.

Idyllische Ruhebank an der Suhre

"Hotel Hirschen" Sursee

Im "Hirschen" buchen wir die Übernachtung, das anschließende Essen beschränkt sich ob der Preise auf einen Kebab, mit umgerechnet 7 Euro der bisher teuerste meines Lebens. Ein anschließendes Bierchen gönnen wir uns trotzdem noch, schließlich haben wir es uns verdient.

Palmreisetagebuch: "So, der erste "Pass" dieser Tour wäre geschafft und es war nicht mal so schlimm. Zwischendrin war es zwar schon eine ganz schöne Quälerei, aber letztendlich war es gut machbar."

Route: Liestal – Gelterkinden – Anwil – Oltingen – Stüsslingen – Aarau – Unterentfelden – Schöftland – Sursee

Ca. 74 km, 790 Höhenmeter, niedrigster/höchster Punkt 325/827 m, max. Steigung 17 %


5. Etappe 15.8.2002 Sursee - Luzern

Entlang des Sempacher Sees radeln wir gemütlich Richtung Luzern. Im Ort Sempach verlassen wir kurz unsere Route, um in einem schönen Park am See entlang zu spazieren. Wir kommen an einem Gottesdienst im Freien vorbei, heute ist ja "Maria Himmelfahrt". Der Pfarrer predigt auf schwyzerdeutsch, wir lauschen eine kurze Weile seinen Worten, er redet über Gott, der gut zu uns ist wie eine Mutter, über die hohe Selbstmordrate in einem reichen Land wie der Schweiz und was daraus eigentlich zu folgern ist.

 

Sempacher See

 

Dann schwingen wir uns wieder auf unsere Drahtesel und genießen die schöne Landschaft des Mittellands bei angenehm sommerlichen Temperaturen. Am frühen Nachmittag erreichen wir Luzern, wo Bernhard auf Anhieb die billigste Pension der Stadt (ein echter Schwabe eben ... ) findet, wobei "billig" in Luzern ein relativer Begriff ist. In der "Cafeteria Emilio" essen wir was, hinterher schauen wir uns die Stadt an. Die Siestazeit verbringt Bernhard am See vor der imposanten Architektur der neuen Kunsthalle, während ich die Zeit nutze das Picasso-Museum mit der "Sammlung Duncan" zu besuchen. Hinterher bummeln wir noch an der Uferpromenade entlang, informieren uns über Yacht- und Schiffskaufpreise und führen tiefsinnige Gespräche.

Strandpromenade in Luzern

"Hotel zur Linde" Luzern

Als es schon dunkel wird, beobachten wir auf einer Bank direkt an der hölzernen Kapellbrücke das Geschehen und die Leute. Neben uns auf der Bank macht sich eine Frau zurecht, wir glauben sie ist verabredet und sind dann doch etwas verblüfft, als sie plötzlich aufsteht, uns angrinst und dann anfängt zu singen. Ziemlich mutig ohne jegliche musikalische Begleitung und leider schenken ihr die meisten Passanten auch keine große Beachtung.

In Anbetracht der morgigen Anstrengungen gehen wir zeitig zurück ins Hotel und auch früh schlafen.

Route: Sursee – Sempach – Emmen – Luzern

Ca. 27 km, 140 Höhenmeter


6. Etappe 16.8.2002 Luzern – Andermatt

Den ersten Abschnitt der heutigen Etappe bis Flüelen wollen wir auf einem Linienschiff zurücklegen. Da in der billigsten Pension Luzerns das Frühstück nicht inbegriffen war, besorgen wir uns Brot, Wurst, Käse und Obst in Läden am Bahnhof und beschließen auf dem Schiff zu frühstücken. Ein strategisch günstig gelegener Tisch am Eingangsbereich des Schiffs wurde dann als Esstisch genutzt, frischen Kaffee gab es aus dem Bordrestaurant. Zweieinhalb Stunden schippern wir über den Vierwaldstättersee, betrachten die faszinierende Landschaft, idyllisch gelegene Hotels sowie geschichtsträchtige Stätten wie das "Rütli" und den "Schillerstein". Immer begleiten uns blaugrünes Wasser und ein strahlend blauer Himmel.

Frühstück auf dem Raddampfer

Vierwaldstätter See

Um kurz vor 12 kommen wir in Flüelen an und entlang der Reuss ist es die ersten 18 km noch sehr eben, bis kurz vor Amsteg der Anstieg Richtung Andermatt beginnt. Schon bald beginnt der Schweiß in Strömen zu fließen, in Wassen sind schließlich die Trinkvorräte aufgebraucht, die im dortigen Dorfladen aufgefüllt werden.

 

Tal der Reuss

 

Steile endlose Geraden bis Göschenen folgen, so dass wir dort auch nochmal eine Pause einlegen. Die letzten sechs Kilometer bis Andermatt sollten sich als die schwersten des Aufstiegs erweisen, einmal wegen des starken Verkehrs, zweitens auch wegen der engen Straße, gespickt mit vielen Galerien und drittens wegen der starken Steigung. An der Schöllenenschlucht hält Schweizer Militär eine Übung ab, ich bekomme schon vom zusehen Höhenangst. Dann endlich ist Andermatt erreicht, am erstbesten Cafe in den letzten Sonnenstrahlen ein Cola, eine aufmunternde SMS meiner Schwester Uli, alles wird gut.

Wir steigen im "Hotel Wilhelm Tell" ab und lassen uns im "Gasthaus zum Sternen" Rösti schmecken. Als dann noch ein Anruf auf Bernhards Handy gute News verkündet, kennt die Euphorie keine Grenzen mehr. Zur Feier der guten Nachrichten aus der Heimat gibt Bernhard eine Flasche Wein aus und wir machen uns noch einen lustigen Abend, den wir bei einem Digestiv im Hotel beenden.

 

Hotel "Tell" in Andermatt

 

Palmreisetagebuch: "Der erste Teil des Anstiegs bis Göschenen ist immer wieder unterbrochen durch flache und teils abfallende Abschnitte, erst zwischen Göschenen und Andermatt geht es richtig rund: Steile Abschnitte, viel Verkehr und sehr enge Straßen."

Route: Luzern – (per Schiff) – Flüelen – Erstfeld – Amsteg – Wassen – Göschenen – Andermatt

Ca. 40 km, 1040 Höhenmeter, niedrigster/höchster Punkt 502/1489 m, max. Steigung 15 %


7. Etappe 17.8.2002 Andermatt – Bellinzona

Nach einem ausgiebigen Frühstück im sehr gastfreundlichen "Wilhelm Tell" machen wir uns auf den Weg zum Gotthardpass. Die ersten drei Kilometer bis Hospental sind zum einrollen und flach, dann beginnt im Ort der Aufstieg mit Kopfsteinpflaster. Es geht gleichmäßig bergan, da immer noch ideales Fahrradwetter herrscht und außerdem Wochenende ist, sind auch viele Rennradfahrer unterwegs, die ohne Gepäck mit Leichtigkeit an uns Tourenradlern vorbeiziehen, trotzdem herrscht Solidarität, jeder der diese Aufstiege schafft, kann stolz auf sich sein. Hinter dem "Mätteli" führt dann die Radroute auf die alte Passtraße mit Kopfsteinpflaster und fast ohne Verkehr. Die Landschaft wird karger, es ist stellenweise sehr still, der meditative Teil des Aufstiegs beginnt. Ich vergesse die ganzen Strapazen, das treten in die Pedale geht automatisch, Meter um Meter geht es nach oben. Und dann, auf einer Höhe von genau 2108 m ist die Passhöhe erreicht, Endorphine erzeugen Glücksgefühle, wir haben es tatsächlich geschafft. Auf dem Pass herrscht großes Treiben, viele Menschen sind mit Fahrrädern, Autos und Motorrädern dorthin gelangt. Wie verweilen eine Zeit oben, schreiben Postkarten und machen Fotos.

Alte Gotthard-Passstraße

Endlich oben auf der Passhöhe

Myself unter dem "offiziellen" Passschild

Einer der zahlreichen Seen des Gotthardmassivs

Passabwährts nehmen wir die alte Passtraße durch das "Val Tremolo" (Tal des Zitterns), eine Kopfsteinpflasterstraße, die in vielen Serpentinen fast 1000 Höhenmeter überwindet. Durch Airolo und Quinto entlang der Autobahn führt die Radroute Richtung Süden, in Rodi genehmigen wir uns in einem Lokal "Spagetti Bolognese" und Cola. Immer entlang des Ticino erreichen wir am Abend Bellinzona, im "Hotel Internazionale" steigen wir ab und im "Albergo Croce Federale Pizzeria" lassen wir uns selbige munden.

 

Abfahrt Richtung Airolo

 

Palmreisetagebuch: "Der zweite Teil des Aufstiegs war zwar nochmals harte Arbeit, aber spätestens nachdem die alte Passstraße erreicht war, nur noch toll. Auf der Passhöhe dann das grandiose Gefühl was Besonderes geschafft zu haben.

Route: Andermatt – Hospental – Gotthard Passhöhe – Airolo – Quinto – Biasca – Claro – Bellinzona

Ca. 95 km, 775 Höhenmeter, niedrigster/höchster Punkt 323/2108 m, max. Steigung 17 %


8. Etappe 18.8.2002 Bellinzona - Locarno

Wahrzeichen von Bellinzona, der Hauptstadt des Kantons Tessin, ist eine mittelalterliche Festungsanlage, bestehend aus drei Castelli (Burgen) die durch Wälle teilweise miteinander verbunden sind. Diese zu besichtigen hatte ich mir vor der Weiterfahrt nach Locarno vorgenommen, ich mache mich also nach dem Frühstück zu Fuß auf, die höchstgelegene der drei Burgen und anschließend die beiden anderen zu besichtigen.

Castello in Bellinzona

Rathausinnenhof

Stadtmauer

"Albergo Internazionale" in Bellinzona

Nach den Mühen der Besichtigung gönne ich mir am zentralen Platz der Stadt noch einen Cappuccino, bevor ich Bernhard am Hotel wiedertreffe und wir unsere Fahrt Richtung Locarno aufnehmen. Die kurze Strecke ist im Vergleich zu den Anstrengungen der letzten Tage ein Klacks, so dass wir schon am frühen Nachmittag in Locarno eintreffen. Wir fahren direkt in die Altstadt, um dort ein Hotel zu suchen und werden auch schnell fündig: Im "Hotel Garni Sempione" checken wir für zwei Nächte ein. Nach einem ausgiebigen Mittagessen im "Da Thomas" fahren wir an den öffentlichen Badestrand und nehmen ein Bad im "Lago Maggiore".

Badestrand in Locarno am "Lago Maggiore"

Villa des "Vertrags von Locarno"

Route: Bellinzona – Minusio –Locarno

Ca. 26 km, 45 Höhenmeter


9. Tag 19.9.2002 Ruhetag

Am ersten Ruhetag der Alpentour steht nur ein kurzer Ausflug ins benachbarte Ascona auf dem Programm. Gemütlich können wir endlich mal mit leichten Fahrrädern (ohne Gepäck!) uns durch die Gegend bewegen. In Ascona packt mich dann aber doch wieder der sportliche Ehrgeiz und ich beschließe noch den "Monte Verita" zu erklimmen, eine Aussteigerstätte und Kommune des frühen 20. Jahrhunderts. Heute ist dort von der damaligen Romantik nur noch wenig zu erahnen.

Seepromenade in Ascona

Blick auf Ascona

Wieder im Tal suchen wir ein Speiselokal und landen den kulinarischen "Treffer" der Reise. Eine etwas versteckt liegende Osteria, im Internet virtuell unter www.grottobaldoria.ch zu besuchen, weckt unser Interesse. Wir setzen uns und bekommen ein wirklich gutes Mahl incl. Vorspeise, reichlich Käse und hinterher sogar noch einen Grappa serviert. Den schrulligen Wirt und offensichtlichen Besitzer des Grottos schließen wir spätestens nach der Antwort auf unsere Frage, welche Käsesorte wir gerade zu uns nehmen, tief in unser Herz. Die schlichte Antwort war: "...weiss ich nicht, ist mir auch egal, ich habe andere Sorgen ..."

Solchermaßen gestärkt treten wir die Rückfahrt nach Locarno an, während Bernhard Schwimmfreuden im Lago frönt, komme ich meinen Postkartenpflichten in der "Bar Vernagga" am "Piazza Grande" nach. Abends spazieren wir noch durch das nächtliche Locarno, ärgern uns über unfreundliche Bedienungen im "Casa del Popolo", lassen uns leckeres Eis schmecken und wundern uns, dass ein schon geschlossenes Schmuck- und Uhrengeschäft sowohl im Laden, als auch davor einen Wachmann beschäftigt.

"Garni Sempione", unser Hotel in Locarno

Innenhöfe in Locarno


10. Etappe 20.8.2002 Locarno – Lugano

Aus beruflichen Gründen muss Bernhard heute die Zugheimfahrt antreten. Zusammen fahren wir noch zum Bahnhof, wo wir uns verabschieden, die letzen Tage der Tour werde ich für mich sein. Den "Lago Maggiore" lasse ich bei Tenero hinter mir und nach Cadenazzo steht noch mal eine Bergwertung, der "Monte Ceneri" auf dem Programm. Am Fuße des Bergs warnt ein Schild "Salita: 340 m su 6 km" und der Anstieg ist wirklich stressig, weniger wegen der Steigung, eher wegen des starken Straßenverkehrs. Am Kulminationspunkt angekommen unterhalte ich mich noch kurz mit einem anderen Radler, bevor es auf verkehrsarmen Straßen Richtung Lugano weitergeht.

Vor dem Anstieg auf den "Monte Ceneri"

... und oben

Dort angekommen muss ich erst mal feststellen, dass es gar nicht so einfach ist in dieser Stadt eine preiswerte Unterkunft zu finden, mit Hilfe der sehr netten und kompetenten Hotelvermittlung im Bahnhof komme ich im "Hotel Pestalozzi" unter und kann ab 15 Uhr mit der Besichtigung der Stadt beginnen. Nach einem langen Spaziergang entlang des Sees lande ich schließlich auf der "Piazza della Riforma", wo ich mich in einem der zahlreichen Cafes niederlasse.

Altstadtgasse in Lugano

"Piazza della Riforma" Lugano während eines Platzregens

Eines der neueren Wahrzeichen Luganos

Blick auf den Luganer See

Den Abend verbringe ich mit einem Merlot aus Tessiner Produktion und einem Buch in der "Osteria del Portico".

Palmreisetagbuch: "Der "Monte Ceneri" hatte es heute morgen nochmal richtig in sich, musste ganz schön strampeln. Dann gab es zwischen Agno und Lugano noch so eine richtig schöne Steigung *schwitz*

Route: Locarno – Gudo – Cadenazzo – Taverne – Agno - Lugano

Ca. 60 km, 590 Höhenmeter, niedrigster/höchster Punkt 185/539 m, max. Steigung 25 %


11. Tag 21.8.2002 Ruhetag

Den heutigen Tag will ich nutzen, um auf Hermann Hesses Spuren in und um Montagnola zu wandeln. Dieser Ort liegt einige wenige Kilometer, aber nicht wenige Höhenmeter oberhalb von Lugano. Der Blick von den dortigen Höhen auf den Luganer See ist leider weitgehend durch Zäune, Hecken und Häuser verdeckt, aber gelegentlich kann man noch eine schöne Aussicht erhaschen.

In Gentilino, einem kleinen Ort vor Montagnola, besuche ich den Friedhof, auf dem Hesse begraben liegt und halte einige Minuten am Grab inne.

Kirche in Gentilino

Hesse-Grab am selben Ort

Wenig später erreiche ich dann Montagnola, wo ich im "Torre Camuzzi" das liebevoll eingerichtete Hesse-Museum besuche. Eine lange Zeit streife ich durch die Räume, lese die ausgestellten Briefe, betrachte die Bilder und sehe mir zum Schluss noch einen Videofilm über Hesses Leben an.

Ein Weg zum Hesse-Haus

Hesse-Museum in Montagnola

Am frühen Nachmittag kehre ich wieder nach Lugano zurück, lege noch einmal eine Kaffeepause auf der "Piazza della Riforma" ein und bummle anschließend noch durch die Einkaufsstraßen.

Am Abend beschließe ich, mein Restbudget in einem guten Restaurant aufzubrauchen. Der Reiseführer "Michael Müller" schlägt die "Osteria del Porta" vor und das Essen dort ist wirklich sehr empfehlenswert, ein guter kulinarischer Abschluss der Reise.

Kein Palmtagebucheintrag, dafür ein Hesse-Zitat: "Hier scheint die Sonne inniger, und die Berge sind röter, hier wächst Kastanie und Wein, Mandel und Feige, und die Menschen sind gut, gesittet und freundlich..."


12. Tag 22.08.02 Zugrückfahrt Lugano – Saarbrücken

Nach Frühstück und packen im "Pestalozzi" mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof, um 9:57 fährt mein Zug Richtung Zürich pünktlich ab. Entspannt und oftmals auch verwundert und stolz, betrachte ich vom Zugfenster aus im Zeitraffer die Strecke, die wir mühsam mit den Fahrrädern zurückgelegt haben.

"Hotel Pestalozzi" Lugano

In Zürich steige ich in den EC Richtung Mannheim und damit Deutschland um, in Mannheim dann in den Interregio nach Saarbrücken. Einige Minuten nach 18 Uhr komme ich in Saarbrücken an, etwas ungewohnt sind noch die fehlenden hohen Berge, als ich mich vom Bahnhof Richtung meiner Wohnung aufmache, aber ich freue mich wieder hier zu sein.

 

 

Karten:

IGN-Karte Nr. 12 Strasbourg/Forbach 1:100 000

ADFC-Karte Nr. 24 Schwarzwald/Oberrhein 1:150 000

Veloland Schweiz Band 1 Nord-Süd-Route 1:100 000

 

Reiseführer:

Veloland Schweiz Band 1:

Der "offizielle" Reiseführer und Routenplaner mit detailliertem Kartenmaterial des Projekts "Veloland Schweiz" lässt, was die Routenplanung angeht, keine Wünsche offen, ein Schwachpunkt sind meiner Meinung nach die undifferenzierten Hotelempfehlungen

 

Reiseführer "Tessin":

Michael Müller Verlag: Immer noch der Guide für Individualtouristen, unzählige kommentierte Hotel- Gaststätten- und und und-Tipps, schon alleine das lesen vor Urlaubsbeginn macht Spass und hebt die Vorfreude